Bitcoin Cash wird ein Jahr alt und feiert das mit ganz viel Spam

Gestern war es ein Jahr her, dass sich Bitcoin Cash von Bitcoin abgespalten hat. Die Bitcoin Cash Szene feiert dies, indem sie die eigene Blockchain mit Spam-Transaktionen angreift. Beweist sie damit, dass man Bitcoin doch onchain skalieren kann?

Ein Jahr ist es nun her, dass die Blocksize-Kriege beendet wurden. Nachdem sich die Bitcoin-Szene seit 2015 in Big Blocker und Small Blocker gespalten und diese Parteien sich mehr als zwei Jahre lang erbittert darüber gestritten haben, ob man das Blocksize-Limit anheben darf oder nicht, haben sich die Big Blocker am 1. August 2017 von Bitcoin (BTC) getrennt, indem sie Bitcoin Cash (BCH) gründeten.

Bitcoin Cash ist eine Fork von Bitcoin, was bedeutet, dass die Blockchain mit allen Transaktionen bis zum 1. August 2017 identisch ist mit der von Bitcoin (BTC). Block 478.558, gefunden am 01. August 2017 um 13:16 Uhr, war der letzte gemeinsame Block der Blockchains von Bitcoin (BTC) und Bitcoin Cash (BCH). Ab dann hat Bitcoin Cash die Konsensregeln so geändert, dass die Blöcke von Bitcoin nicht mehr akzeptiert, aber das Limit auf bis zu 8 Megabyte angehoben wird. Dank des angepassten Difficulty-Algorithmus fror Bitcoin Cash nicht ein, sondern wurde mit der Hilfe von Minern am Leben erhalten.

Als schließlich die SegWit2x-Initiative an der Hardfork zu 2MB scheiterte, wurde Bitcoin Cash endgültig zum Coin für die Big Blocker. Damit war die ehemals vereinte Bitcoin-Szene geteilt. Small Blocker benutzen Bitcoin (BTC), Big Blocker benutzen Bitcoin Cash (BCH), und beide Seiten meinen, sie benutzen den “wahren Bitcoin”. Da Bitcoin Cash im Vergleich zu Bitcoin nur etwa ein Zehntel von Preis, Hashrate und Transaktionsvolumen hat, dürfte klar sein, dass Bitcoin (BTC) weiterhin der “echte Bitcoin” ist – während Bitcoin Cash eher eine Realisierung einer möglichen Zukunft von Bitcoin ist, in der die Größe der Blöcke wachsen darf.

Nein, Bitcoin Cash verschwindet nicht

Wer hoffte, dass “bcash” eingeht, versandet oder verhundert, hat sich ebenso geirrt wie die, die erwartet hatten, dass der “echte Bitcoin” den “SegWitcoin” vom Thron stößt. Es gab kein Flippening, aber Bitcoin Cash hält sich konstant auf dem vierten Platz im Ranking der Kryptowährungen, hat am Tag zwischen 10.000 und 20.000 Transaktionen und wird fortlaufend weiterentwickelt und beworben.

Unter den Entwicklungen sind folgende Highlights zu nennen:

  • Beseitigung von Quadratic Scaling: Der Signatur-Algorithmus von Bitcoin hat das Problem, dass die zur Prüfung von Signaturen benötigte Rechenleistung quadratisch mit der Anzahl der Inputs einer Transaktion skaliert. Sie müssen das nicht vollständig verstehen; es ist ein Bug, der dazu führen kann, dass spezielle Transaktionen extrem viel Rechenleistung ziehen. Bitcoin Cash hat diesen Bug noch am Tag der Hardfork ausgemerzt.
  • Die Verbesserung des Difficulty-Algorithmus: Mit dem per Hardfork im November eingeführten neuen Algorithmus für die Anpassung der Mining-Schwierigkeit haben die Bitcoin-Cash-Entwickler es geschafft, stabile Block-Intervalle von 10 Minuten zu gewährleisten, unabhängig von der Hashrate. Bei Bitcoin (BTC) fluktuiert das Intervall dagegen bei einer starken Zu- oder Abnahme der Hashrate.
  • Die Einführung des CashAddr-Formats: Mit dem CashAddr-Format in bech32 hat Bitcoin Cash ein Adress-Format angebommen, das es verhindert, dass man versehentlich BTC an eine BCH-Adresse sendet (und umgekehrt). Zugleich hat das CashAddr-Format einige Vorteile, die aber für die meisten User eher unerheblich sind.
  • Die Reaktivierung von deaktivierten opcodes für die Skriptsprache von Bitcoin. Was genau man damit machen kann, ist bis heute nicht wirklich klar. Aber sie sind da.

Daneben gibt es sehr aktive Entwicklungen zu UTXO-Commitments und auch zu Graphene. Beides könnte ein wichtiges Hilfsmittel sein, um die Kapazität von Bitcoin Cash sehr weit zu steigern.

Weiter gibt es eifrige Entwicklungen der “nicht-monetären” Anwendungen. Zu nennen wäre hier Memo.Cash, eine Art Twitter auf Basis von Bitcoin Cash, sowie die Diskussion darüber, welche der vielen zur Auswahl stehenden Methoden man benutzen soll, um Token auf die Blockchain zu bekommen. Diese Diskussion ist mittlerweile ziemlich hitzig, was relativ typisch für Bitcoin Cash ist.

nChain vs. Unlimited vs. ABC

Das vergangene Jahr hat in der Bitcoin-Cash-Szene eine Menge Drama und internen Ärger gesehen. Das liegt vielleicht auch daran, dass es bei Bitcoin Cash anders als bei Bitcoin nicht ein zentrales Entwickler-Team gibt. Stattdessen wird Bitcoin Cash von mehreren an sich gleichberechtigten Teams entwickelt. Zu nennen sind vor allem BitcoinABC von Amaury Sechet, der die Version geschrieben hat, die die Fork eingeleitet hat, und Bitcoin Unlimited. Daneben gibt es noch BitcoinXT, BitPrim und andere.

Der Klassiker: TxHighway zeigt für jedes MB an maximaler Blocksize eine Spur auf einer Autobahn. Gewöhnlich sind die 32 Spuren von Bitcoin Cash eher leer. Zum Geburtstag waren sie aber ziemlich voll.

Jeder in der Bitcoin-Cash-Szene weiß, dass BitcoinABC bzw. Amaury und Bitcoin Unlimited nicht eben die besten Freunde sind. Dies allein reicht schon, um immer wieder Reibungen auszulösen. Aber das ist noch gar nichts im Vergleich zum Zank um Craig Stephen Wright, dem beliebten oder gehassten Pseudo-Satoshi, und seiner patentwütigen Firma nChain. Wright hat die Angwohntheit, viel zu versprechen, und wenig zu liefern, aber dafür umso lauter in alle Richtungen zu pöbeln. Mittlerweile stellen sich Mitglieder von Bitcoin Unlimited und BitcoinABC offen gegen ihn auf, was vielleicht der einzige Punkt ist, in dem die beiden Teams einer Meinung sind.

Jihan Wu, der CEO von BitMain, und Roger Ver, der CEO von Bitcoin.com, sind weiterhin mehr oder weniger starke Befürworter von Bitcoin Cash. Allerdings ist zwischen den beiden und Craig Wrights nChain eine immer tiefere Entfremdung zu spüren. Dies ist besonders bemerkenswert, weil Wright den Poker-Milliardär Calvin Ayre überzeugt hat, den CoinGeek-Mining-Pool zu gründen, der ausschließlich Bitcoin Cash schürft und immer mehr Hashrate auf die Waage bringt.

Damit hat sich Craig Wright einen Einfluss auf die Entwicklung von Bitcoin Cash gesichert, der von vielen in der Szene immer kritischer gesehen wird. Trotz dieser und weiterer Meinungsverschiedenheiten scheint die Bitcoin Cash Szene aber einigermaßen an einem Strang zu ziehen und zu versuchen, sich einerseits von Bitcoin (BTC) zu distanzieren, aber sich andererseits auch als “der echte Bitcoin” zu etablieren. Auffällig erfolgreich ist sie damit aber bislang noch nicht.

Stresstest oder Autoaggression?

Um nun den Geburtstag gestern zu feiern, hat die Bitcoin Cash Community dafür gesorgt, dass auf der Blockchain ordentlich etwas los war. Obwohl der Bitcoin Cash Stresstest erst am 1. September stattfinden soll, haben eine Menge Leute schon das Spam-Tool von scale.cash benutzt, um automatisch eine große Menge an Transaktionen zu bilden. Der “Dust”, der dabei entstand, geht an eine Wohltätigkeitsorganisation.

Zwischenzeitlich waren 22 Transaktionen je Sekunde zu sehen, es gab immer wieder Blöcke von beinah oder ganz 8 Megabyte, und am gesamten Tag wurden rund 700.000 Transaktionen versendet. Dabei zeigte das Netzwerk keinerlei Probleme, das Volumen zu bewältigen. Die Gebühren blieben weiterhin bei etwa einem Cent je Transaktion, der MemPool wurde sehr rasch weitgehend geleert, die Belastung auf die Nodes blieb gering (zumindest war mein Node selbst auf dem Höhepunkt des Stresstestes unauffällig. Weder Bandbreite noch CPU noch Festplattenoperationen sind bemerkenswert gestiegen).

BitcoinSubway.Cashvisualisiert das Transktionsaufkommen der beiden Bitcoins durch Personen, die an einer U-Bahn-Station warten.

Ob es Sinn ergibt, die eigene Blockchain zu spammen, sei mal dahingestellt. Die Communities von Bitcoin (BTC) und Ethereum würden im Leben nicht auf die Idee kommen, die ohnehin schon hohe Last künstlich zu erhöhen. Sie betrachten unnötige Transaktionen als Spam, vielleicht auch als DoS-Angriff, und das, was die Bitcoin-Cash-Szene derzeit treibt, als eine digitale Form von Autoaggression.  Andererseits aber demonstriert der Spam, was Bitcoin Cash kann. 700.000 Transaktionen am Tag, mitunter sogar mehr als 20 Transaktionen je Sekunde, sind offenbar kein besonders großes Problem. Zumindest weiß man, dass es kein Problem darstellt, einen Tag lang ein solches Volumen zu haben.

Bitcoin Cash stellt sich damit als Mitbewerber zu VISA und PayPal auf, schreibt btc.com in einem Blogpost zur Geburtstagsfeier. Ob das tatsächliche Volumen von anscheinend 96 bis 227 Transaktionen je Sekunde tatsächlich möglich ist, wird sich vielleicht am 1. September zeigen. Denn dann wird es erst den echten Stresstest geben. Das Spam-Feuerwerk zum Geburtstag war nur ein kleiner Vorgeschmack.

 

 

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