Bitcoin-IDB: Ein Community-Projekt sammelt Informationen über den Download der Blockchain

Um einen echten Full Node zu haben, muss man die gesamte Blockchain herunterladen. Weil das immer länger dauert, macht sich ein Teil der Bitcoin-Szene Sorgen, dass die Dezentralisierung des Netzwerks durch Full Nodes verloren geht. Eine Sammlung von Daten rund um den „Initialen Blockhain Download“ (IBD) soll nun Klarheit in die Diskussion bringen.

Für viele in der Bitcoin-Szene ist ein Full Node heilig. Nur er macht jemanden zu einem wirklichen Bitcoin-Nutzer, zu einem echten Knoten im Netzwerk, zu jemandem, der an der dezentralen Natur des Bitcoin-Netzwerks teilhat und diese stützt. Nur wer einen Full Node betreibt, ist in der Lage, ohne fremde Hilfe die Blockchain zu verifizieren. Um in diesen Genuss zu kommen, muss man jedoch etwas leisten: Man muss rund 180 Gigabyte an Daten herunterladen und verifizieren. Je nach Computer und Internetverbindung dauert das sechs Stunden bis drei Wochen.

Da die Blockchain immer weiter wächst, wird die Dauer, um einen Full Node zu synchronisieren, ebenfalls immer weiter wachsen. Eine Gruppe innerhalb der Bitcoin-Szene betrachtet dies schon lange mit einer großen Sorge. Auf der Webseite Bitcoin-IDB.com rufen sie nun User auf, ihre Erfahrungen bei der Synchronisierung eines Full Nodes mitzuteilen, um die Diskussion darüber auf eine vernünftige Datengrundlage zu stellen.

Auf der Webseite erklären sie, warum und weswegen, und liefern dabei auch eine eigene politische Theorie von Bitcoin: „Bitcoin ist nicht das, was ein Individuum, eine Firma oder ein Staat sagt. Es ist, was wir alle sagen; es ist ein Meme, ein Shelling-Point, ein Konsens der Mehrheit über Geld. Du trittst mit deiner Wahl dem Chor bei, wenn du die Blockchain herunterlädst und einen Full Node betreibst – mit dem Set an Regeln, das du selbst auswählst.“

Aus dieser Perspektive ist Bitcoin keine Demokratie, aber etwas ähnliches: Ein Konsens-Netzwerk. Die Full Nodes, die Transaktionen und Blöcke akzeptieren und weiterleiten – wenn sie den Regeln entsprechen – finden einen Konsens darüber, was Bitcoin ist. Diese Art der Entscheidungsfindung ist konservativer und träger als eine Demokratie; die Knoten einigen sich nicht auf dem Zustand, den jemand im speziellen will, sondern auf den sogenannten „Shelling-Points“, zu deutsch: Fokale Punkte. Dies sind Punkte, an denen sich Akteure treffen, wenn sie keine Möglichkeit haben, zu kommunizieren. Wenn man beispielsweise zusammen einen Ausflug macht, sich dabei aber verliert und kein Handy dabei hat, trifft man sich logischerweise am Auto wieder. Der Status Quo ist in einem solchen System oft der naheliegendste Fokale Punkt, weshalb es äußerst resistent gegen Änderungen ist.

Die Miner spielen bei dieser Entscheidungsfindung eine eher untergeordnete Rolle: Sie „erhalten nicht den Shelling-Point – sie folgen ihm lediglich, wohin er sich auch bewegt. Wenn ein Bitcoin Miner einen Block einreicht, der nicht gültig ist und von der wirtschaftlichen Mehrheit der Nodes abgelehnt wird, wird er nicht propagiert und sie haben Zeit und Ressourcen vergeudet. Um es einfach zu sagen: Miner sichern Transaktionen die an die Blockchain angehängt wurden, während Nodes entscheiden, welche Transaktionen an die Blockchain angehängt werden sollen.“ Wenn Bitcoin skalieren und dabei dezentral bleiben soll, braucht es viele Nodes. „Wenn in einigen Jahrzehnten vier Milliarden Menschen Bitcoin benutzen wollen, ist es absurd zu denken, dass die wichtigste Verteidigungslinie von Bitcoin nur aus 10.000 oder 100.000 Node-Betreibern bestehen wird. Millionen von Menschen sollten in der Lage sein, einen Node zu betreiben.“

Um dies zu erreichen, muss man an der schmerzhaftesten Bürde für Node-Betreiber ansetzen – dem initialen Blockchain-Download. Der Prozess, die gesamte Blockchain von den anderen Knoten im Netzwerk herunterzuladen, braucht derzeit mit einem Raspberry Pi bereits Wochen, da er nicht nur von der Internetverbindung abhängt, sondern auch von Rechner-Ressourcen wie Arbeitsspeicher oder der CPU. Es ist zu befürchten, dass Node-Betreiber schon vor-validierte Blockchains von anderen Quellen benutzt. Als Beispiel nennt die Webseite den Casa Node, eine Full-Node-Box für zuhause, die mit einer vorvalidierten Blockchain ausgeliefert wird. „Wenn Casa dies kommerzialisiert, wird die nächste Million von Node-Betreibern mit einer Blockchain und einem Regelwerk gefüttert, die von einem profitorientierten Team entschieden werden. Das ist ein ernsthaftes Problem.“

Die Bitcoin-Community, fordert die Webseite, muss dahin streben, dass Bitcoin mit dem „geringsten gemeinsamen Nenner“ benutzbar ist. Dies ist ein Gerät wie die oben genannten Raspberry Pies. „Mit der derzeitigen Rate des Blockchain-Wachstums, wird es für uns rasch unmöglich, dieses Ziel zu erreichen.“ Um die Diskussion über eine gesunde Größe der Blöcke – der atomaren Einheit von Blockchains – zu beginnen, fordert das Bitcoin-IBD-Projekt User auf, einen Node zu starten und Daten einzureichen, etwa über das System, auf dem der Node läuft, sowie die Dauer, bis verschiedene Schwellen erreicht sind. Etwas ironisch ist angesichts der politischen Forderung, mit dem Node über die Regeln mitzuentscheiden, die Instruktion, bei Bitcoin Core die Version 0.1.7 herunterzuladen. Wenn alle sowieso nur die Software eines Teams benutzen – dann wird der Full Node nicht zum Mittel der Mitentscheidung über Bitcoin, sondern zum Soldaten einer Gruppe von Entwicklern.

Das Bitcoin-IBD-Projekt könnte in Zusammenhang mit der Initiative von Luke Dashjr stehen, der die maximale Größe von Blöcken von bisher etwa 1,2 Megabyte auf 0,3 Megabyte senken möchte. Mit seinem Vorstoß, die Kapazität von Bitcoin durch eine Softfork zu reduzieren, hat Luke Dashjr für einige Aufregung gesorgt. Auf der einen Seite wird der Vorschlag weithin als lachhaft und unrealistisch abgetan, während er auf der anderen Seite seine Anhänger hat. Lightning, heißt es, macht es möglich, dass man die Anzahl der Blockchain-Transaktionen reduziert, ohne den Usern die Möglichkeit zu nehmen, Bitcoin immer mehr zu benutzen. Seine Weihe bekam Luke’s Vorschlag, als das renommierte Bitcoin Magazine die Idee in einem langen Artikel ernsthaft und relativ wohlwollend aufgriff. Je nachdem, wie viel Wert man auf die Teilnahme von Raspberry Pies als Full Nodes legt, könnte das Projekt Bitcoin-IBD der Diskussion um eine Senkung der maximalen Blockgröße Nahrung verschaffen – und wir hätten erneut eine Debatte um die Blocksize, diesmal jedoch nicht um ihre Erhöhung, sondern um ihre Senkung.