Bitcoiner in Indien verlieren ihr Bankkonto

Leute aus Indien berichten darüber, dass bereits Banküberweisungen an Bitcoin-Börsen der Anlass dafür sein kann, dass die Bank ihr Konto schließt. Es scheint, als ginge das System dort immer mehr dazu über, die Kryptowährung zu bekämpfen.

“Erst ignorieren sie dich, dann lachen sie über, dann bekämpfen sie dich, dann gewinnst du”. Das dürfte eine der häufigsten Zitate sein, die auf Bitcoin angelegt werden.

Erst wurde die Kryptowährung von allen ignoriert. Dann haben die, die davon gehört haben, über sie gelacht. Ein Witz, dass so eine Digitalwährung zur Konkurrenz der echten Währungen werden soll. Mittlerweile wird Bitcoin von vielen Seiten bekämpft, etwa durch eine strenge Regulierung in vielen Ländern, die verhindern soll, dass sich die Kryptowährung in die Wirtschaft einschleicht. Der nächste Schritt wäre dann, wenn man dem Zitat glaubt, dass Bitcoin gewinnt.

Das berühmte Zitat wird Mahatma Gandhi zugeschrieben. Da aber kein Belegt dafür da ist, dass der große indische Friedensrevolutionär es tatsächlich gesagt hat, gilt es als eines der am häufigsten verwendeten Fehlzitate. Möglicherweise geht es auf eine Ansprache von Nicholas Klein, einem Führer einer amerikanischen Textil-Gewerkschaft, von 1918 zurück, die relativ ähnlich gehalten ist. Eine andere Option ist, dass sie ein Essay von Gandhi in dem Buch “Freedom’s Battle” paraphrasiert, in der dieser voraussagt, dass die “Nicht-Kooperation” die Phase des Lächerlichen durchschreitet.

Wie auch immer – Zitate gehören allen, und wenn dieses legendäre Zitat dem großen Gandhi zugeschrieben wird, dann sei es so. Es passt einfach zu gut, zu so vielen Dingen, sowohl zu Gandhis Bewegung als auch zu Kryptowährungen. Umso passender, dass gerade das Land, aus dem der Spruch angeblich kommt, Indien, derzeit immer aktiver in die dritte Phase übergeht – und Bitcoin bekämpft.

Bitcoin-User verlieren ihr Bankkonto

Die Zentralbank des Landes hat es Banken bereits verboten, mit Kryptowährungs-Unternehmen zusammenzuarbeiten. Nun zeigt das Verbot Wirkung. Einige Banken haben nun ihre Allgemeinen Geschäftsbedingungen so angepasst, dass es ihren Kunden nicht gestattet ist, Kryptowährungen zu benutzen, für welchen Zweck auch immer. Dass dies nicht nur eine leere Floskel ist, die die Zentralbank zufriedenstellen soll, zeigt der Fall der Digibank, einer nach eigenen Angaben “revolutionären Art von Bank.”

Ein indischer Bitcoin- und Twitteruser postet einen Screenshot, der ein Schreiben der Digibank an einen Kunden zeigt. Darin heißt es: “Wir haben einige Transaktionen in deinem Account festgestellt, die mit Tradern oder Brokern von virtuellen Währungen zu tun haben. Da diese Transaktionen nicht erlaubt sind, sind wir gezwungen, einen ‘Credit Freeze’ zu verhängen. Das bedeutet, dass du von nun an kein Geld mehr auf deinen Account einzahlen kannst.” Aber es kommt noch schlimmer: Die Bank kündigt ihrem Kunden an, dass sein Account in 30 Tagen vollständig geschlossen wird.

Schon einige Tage zuvor hatte eine indische Bitcoinerin per Twitter einen Screenshot gepostet, der einen Brief der Kotak Mahindra Bank abbildet. Ein Review ihrer Transaktionen habe ergeben, dass manche von diesen “in den Handel mit virtuellen Währungen” involviert sind. Auch ihr wird angekündigt, dass ihr Bankkonto binnen 30 Tagen geschlossen wird.

Indien fährt derzeit einen sehr strengen Kurs gegen Bargeld. Die Regierung hat Ende 2016 einen Großteil des bestehenden Bargeldes für ungültig erklärt, um die Inder dazu zu drängen, auf digitale Zahlungsverfahren zu setzen. Dies diene der finanziellen Inklusion der Inder, hat aber auch den Hintergrund, dass die Regierung Schwarzarbeit und Steuervermeidung durch Barzahlungen unterbinden möchte. Gleichzeitig scheint Indien ein beliebtes Ziel von Anti-Bargeld-Kampagnen wie der “Better Than Cash”-Initiative zu sein, in der Stiftungen, halbstaatliche Gremien und Konzerne im Zahlungswesen wie Mastercard zusammenarbeiten, um das Zahlungswesen zu digitalisieren.

Kritiker wie Norbert Häring sehen diesen Kurs als verheerend an, da er in eine dystopische Zukunft führt. Indem das Bargeld verbannt wird, können Regierungen und Konzerne die digitalen Zahlungsströme überwachen und kontrollieren, was nicht nur zu einem Verlust von Privatsphäre führt, sondern den Bürgern jede Autonomie im Besitz über ihr Geld raubt. Gerade in Indien kommt hier noch hinzu, dass die Kampagne mit der Schaffung großer biometrischer Datenbanken einhergeht, die die Identität der Menschen noch fester mit ihren Zahlungen verknüpft.

Bitcoin könnte für die Inder in dieser Situation extrem wichtig sein – während es für die Regierung gleichsam wichtig ist, den Aufstieg von Kryptowährungen zu verhindern, um ihre Politik durchzusetzen.