Blockchain.info veranstaltet das größte Kunden-Giveaway aller Zeiten

… allerdings nur in Stellar, einem ziemlich zentralisierten Coin, von dem weiterhin rund 90 Prozent der Token im Besitz der Foundation sind. Wer Interesse hat, sollte dennoch zuschlagen.

Wer von euch darauf wartet, dass die große Blase des Jahres 2017/18 endlich abgebaut ist, sollte sich eine Ankündigung von Blockchain.info zu Gemüte führen. Denn in ihr findet man ein ziemlich unmissverständliches Signal –  leider dafür, dass die Blase längst nicht abgebaut ist, und dass 125 Millionen Dollar in Kryptowährungen etwas ganz anderes sind als 125 Millionen Dollar in echtem Geld.

Blockchain.info ist nicht nur eine Seite mit wundervollen, hier immer wieder benutzten, Statistiken zu Bitcoin und seit kurzem auch zu Ethereum. Die Seite beherbergt auch das älteste und beliebteste Online-Walet für Bitcoin und andere Kryptowährungen, das laut eigener Angabe 30 Millionen Kunden auf der ganzen Welt hat.

Nun führt die Firma die Kryptowährung Stellar (XLM) ein – ein Klon von Ripple (XPR), der zwar nicht von der Firma Ripple Laps kontrolliert wird, aber nach allen verfügbaren Metriken nochmal ein Stückchen mehr zentralisiert ist als Ripple selbst. Ab sofort können die Wallets von Blockchain.info also auch Stellar verarbeiten – und, das beste: Die Firma lässt die Lumen genannten Token (XLM) auf die User regnen.

“Ab heute, um unseren vollen Support von XLM in der Blockchain Wallet zu feiern, werden wir 125 Millionen Dollar in Stellar (XLM) an EUCH geben – unsere User.”

Dieses Geschenk sei, so Blockchain.info, der größte Airdrop von Coins, den es in der Geschichte von Kryptowährungen jemals gegeben hat, “und vermutlich das größte Geschenk an Kunden überhaupt.” Logisch. Keine Firma, die ein Produkt anbietet, für das es eine ernsthafte Nachfrage gibt, verschenkt es in diesem Umfang; wenn eine Firma 125 Millionen Dollar in Produkten verschenkt, dann darum, weil das Produkt nicht so viel wert ist.

Für Blockchain.info dagegen sind solche Airdrops eine großartige Idee, um die Verbreitung von Kryptowährungen zu befördern und eine Dezentralisierung der Verteilung von Token zu gewähren. “Wir denken, dass sie großartig für Krypto-User sind. Sie erlauben es, mit der nächsten Generation von Krypto-Assets zu experimentieren, zu handeln und Transaktionen auszuführten, ohne dass man sie kaufen oder minen muss.”

Der Plan von Blockchain.info ist es, in Zukunft öfter solche Aidrops auszuführen. “Wir beginnen mit Stellar, weil das Netzwerk dafür gemacht ist, gut zu skalieren. Die Token, XLM, erlauben schnelle, günstige und weltweite Transaktionen, sogar dann, wenn Millionen von Menschen es gleichzeitig benutzten. Stellar kann auch individuelle Token schaffen, die Güter oder Leistungen der echten oder virtuellen Welt repräsentieren, und Stellar hat schließlich eine weltklasse Entwickler-Community und ein vibrierendes, funktionierendes Ökosystem.”

Blockchain.info ist nicht die erste Firma, die ein Stellar-Airdrop verteilt. Schon im April hat Satoshi Pay, ein Berliner Startup, das versucht, Mikropayments auf Blockchains zu bringen, ein Giveaway von 10 Millionen Lumen (XLM) an seine Kunden angekündigt. Zu dieser Zeit hat Satoshi Pay die Bitcoin-Blockchain verlassen, um den gesamten Betrieb auf Stellar umzustellen. Unter dem Eindruck des Fee-Events im Dezember hat das Startup offenbar die Hoffnung aufgegeben, seine Ziele mit einer dezentralen Kryptowährung zu erreichen.

Von dem “vibrierenden, funktionierenden Ökosystem” ist bei Satoshi Pay aber nichts zu spären. Das Startup ist eine Partnerschaft mit der Internation Business Times eingegangen, die auch heute noch dabei feststeckt, dass die IB Times nur einige steinalte Artikel gegen Stellar anbietet. Auch bei der Partnerschaft mit dem Musiker David Kuckhermann ist kein bleibendes Resultat festzustellen. Das WordPress-Plugin von Satoshi Pay schließlich hat ziemlich bescheidene Download-Raten, und ich habe bisher noch keine einzige Webseite gesehen, die relevante Inhalte anbietet, die man mit Stellar freikaufen kann.

So wie Ripple hat Stellar die gesamte Geldmenge von etwa 105 Milliarden Coins einfach in die Taschen der Entwickler bzw. der Stellar Foundation geschöpft, und plant, durch die Verteilung nach Gutdünken mehr Fairness herzustellen als das Mining. Inwieweit diese Methode dazu geeignet sein soll, eine dezentralere Verteilung der Token zu erreichen, ist theoretisch schwer zu sagen. Schließlich gibt es kaum etwas zentraleres, als ein Gremium, das die Geldmengenverteilung plant. Empirisch gesehen ist das Konzept bisher krachend gescheitert, da Ripple und Stellar die beiden Kryptocoins mit der mit Abstand unfairsten Verteilung der Coins sind. Allerdings sind von den 105 Milliarden Coins offenbar auch erst 14 Milliarden verteilt, während die restlichen 90 Milliarden in den Wallets der Stellar Foundation schlummern. Jeden Wert, den ein Lumen-Token hat, existiert nur auf Gutdünken der Stellar Foundation.

All dies macht es wenig glaubhaft, dass die 125 Millionen Dollar, die Blockchain.info an seine Kunden verteilt, auch tatsächlich so viel wert sind. In jedem Fall ist es unglaubwürdig, dass ein digitaler Wertgegenstand einen Wert erhält, indem er in großem Stil verschenkt wird. Oder erinnern Sie sich daran, dass 100 Millionen Euro in Daimler-Aktien, Staatsanleihen oder Bitcoins verschenkt wurden? Vermutlich nicht. Denn echte Wertgegenstände werden begehrt, und nicht ohne Not verschenkt. Die Werte, die Kryptowährungen wie Stellar repräsentieren, entsprechen demnach kaum dem echten Wert. Anders gesagt: Die Blase ist noch immer da.

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