Die Kryptokurse stürzen weiter ein – das sagen die anderen

Am Wochenende sind die Kurse erneut gefallen. Bitcoin und die meisten anderen Kryptowährungen haben einen neuen Tiefpunkt für 2018 erreicht. Wir schauen uns an, was die anderen Medien zum Juni-Crash sagen. Spoiler: Die meisten schieben es auf Japan und Südkorea, während einige andere sagen, dass die Kurse halt die Kurse machen.

Forbes

“Bitcoin leidet, weil es sich verwirrt hat” betitelt die Forbes einen vernichtenden Kommentar. “Es ist ganz einfach: Das Interesse an Bitcoin schmilzt dahin, und mit ihm der Preis.” Dies sei logisch, denn der Preis von Bitcoin sei eine Antizipation der kommenden Anwendung – und diese sei derzeit gering. “Sehr gering.”

Der Grund sei, diagnostiziert die Forbes, dass Bitcoin sich verwirrt habe. Die Kryptowährung hat ihren Kompass verloren, und weiß nicht mehr genau, was sie sein will. Kaum jemand glaube noch, dass Bitcoin ein gutes Zahlungsmittel sei. Viele andere Methoden seien günstiger und effektiver. Auch als Mittel der Werterhaltung scheitere Bitcoin derzeit. Was bleibt noch?

Eine Zeitlang haben ICOs einen neuen Bedarf nach Bitcoin geschürt. Doch dies sei auf dem Rückzug, da ICOs immer strenger kontrolliert werden. Daher, so der Forbes-Kommentator, sei der Einsturz des Preises gerechtfertigt, ohne einen konkreten Anlass zu haben.

Die Kurse aller Kryptowährungen sind im Lauf der letzten Woche abgestürzt. Chart: Marktkapitalisierung aller Coins. Quelle: Coinmarketcap.com

Fortune

Auch die Fortune stellt fest, dass Bitcoin auf ein neues Tief für 2018 gefallen ist. Den Grund sieht das Magazin in einem Bündel an Ursachen: “Die Strengere globale Regulierung, der Verdacht auf Marktmanipulation und die ramponierte Stimmung bei Investoren – all das verlangsamt die Bitcoin Bewegung. Dies könnte dazu führen, dass der gegenwärtige Bärenmarkt nachhaltiger ist als erwartet.”

Die Fortune erinnert daran, dass die Blase Ende 2017 “nicht nur durch eine Massenmanie” angetrieben wurde. Der Artikel verweist auf die “Beweise“, dass es eine Manipulation des Märkte durch die Tether-Token gegeben habe. Darüber hinaus tragen weitere Faktoren zum Niedergang des Bitcoin-Preises bei: Am Freitag haben etwa die Regulierer in Japan den Börsen neue Restriktionen auferlegt, was möglicherweise das Investment aus Japan hemmt.

Nochmal Forbes

In einem weiteren Artikel verortet die Forbes den jüngsten Crash in einen allgemeineren Abwärtstrend. Dabei zitiert sie mehrere Investoren, die eine Einschätzung zum Besten geben. Einer erklärt, dass die professionellen Investoren derzeit noch nicht kaufen, weil das Handelsvolumen auf allen großen Börsen nachgibt. Erst wenn das Volumen wieder anzieht, komme eine Trendwende in Sicht, was für viele Profis ein Kaufsignal sei. “Wenn Bitcoin neue Tiefs in 2018 erreicht, sollte man nach einem Anstieg des Volumens Ausschau halten.”

Bloomberg

Auch der traditionelle Nachrichtendienst für Börsenhändler, Bloomberg, schreibt über die etwas frustrierenden Kursbewegungen von Bitcoin. Für ihn reflektiert die Volatilität vor allem “strengere Kontrollen durch Regulierer” sowie “kritische Fragen der Zentralbanker.”

Der Börsendienst erinnert daran, dass die Bank für den Internationalen Zahlungsausgleich (BIS) aus der Schweiz vor kurzem gesagt hat, Kryptowährungen sollten wie Aktien und Anleihen reguliert werden, und dass Bitcoin schlecht dazu geeignet sei, die Anzahl an Transaktionen zu verarbeiten, die das gegenwärtige Finanzsystem bewältige.

Auch die gesamte Marktkapitalisierung aller Kryptowährungen hat ein neues Tief für 2018 erreicht. Quelle: erneut Coinmarketcap.

Darüber hinaus erwähnt Bloomberg, dass die Finanzaufsicht in Japan die sechs Kryptobörsen des Landes angewiesen hat, die Maßnahmen zu verbessern, um Geldwäsche zu verhindern. “Der neue Druck aus Japan, eine der bisher krypto-freundlichsten Jurisdiktionen, demonstriert, wie fragil der Markt auf neue Züge der Regulierung reagiert, solange andere Nachrichten ausbleiben.”

Eine weitere Ursache sieht Bloomberg im Hack von zwei Börsen aus Südkorea, vor allem Bithumb, wo Coins im Wert von 30 Millionen Dollar gestohlen worden sind, sowie eine Richtlinie der indischen Zentralbank, die kommerziellen Kreditgebern verbietet, ihre Dienste Firmen anzubieten, die mit digitalen Währungen handeln.

CNBC

Die CNBC konzentriert sich in ihrem Bericht über die fallenden Kuse vorrangig auf die bereits erwähnte Regulierungsoffensive in Japan. Wie das Magazin erklärt, hat bitFlyer, eine der größten Börsen des Landes, sogar die Registrierung neuer Accounts ausgesetzt, bis die verlangten Maßnahmen gegen Geldwäsche umgesetzt sind.

Ein Analyst erklärt zudem, dass in der derzeitigen Marktlage sogar kleine schlechte News die Macht haben, einen größeren Abverkauf auszulösen: “In dieser unruhigen Phase mit geringem Handelsvolumen reicht ein kleiner Verkaufsanfall, um den gesamten Markt herunter zu ziehen.” Er konstatiert “einen Mangel an Interesse und einen Mangel an Käufern”, weshalb die Verkäufer derzeit den Markt dominieren.

Sunday Express

Sogar der britische Sunday Express, eigentlicher eher eine Boulevard-Zeitung, schreibt über den Bitcoin-Preis. Wie schon andere Beobachter erklärt er den Kursverfall vor allem durch die Regulierung in Japan und die Hacks in Südkorea. Aber er bringt noch eine weitere Ursache ins Spiel.

“Die chinesische Polizei hat mehr als 200 Computer beschlagnahmt, mit denen Bitcoin und Ether gemined wurden, nachdem ein Mann versucht hatte, den Stromversorger auszutricksen, um die Rechnungen zu vermeiden, die er für seine Operation bezahlen sollte.” Der Mann wird verdächtigt, etwa 150.000 Kilowattstunden Strom gestohlen zu haben. Laut einem Pressebericht hatte er die Computer im April gekauft und war geschockt, wie teuer ihr täglicher Stromverbrauch war. Daher hat er versucht, das Strommessgerät zu manipulieren.

Der Fall ist insoweit interessant, als er zeigt, dass die fallenden Kurse auch die Miner in China an den Rand der Profitabilität bringen. Eventuell kündigt er eine Korrektur des weiterhin rasanten Wachstums der Hashrate an.

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