LazyFox: Weil Faulheit die Mutter aller Dinge ist

Arbeitsteilung beginnt mit Faulheit. Wie wäre es, wenn man beliebige Aufgaben im Internet abgeben kann? Die neue Plattform LazyFox erlaubt genau das: Man kann Leute mit Bitcoin Cash (BCH) dafür bezahlen, etwas für einen zu machen – und man kann sich umgekehrt ein wenig Bitcoin Cash verdienen, indem man einfache Aufgaben übernimmt. Die Idee ist gut, die Plattform durchdacht und liebevoll gemacht.

Bitcoin – und andere Kryptowährungen – bauen ein neues Geldsystem auf, das das ganze Internet abdeckt. Das geht nur, wenn man die richtigen Werkzeuge hat. Daher sind die Instrumente, die man benutzt, während man etwas mit Bitcoin und Co. macht, oft ebenso interessant wie die Anwendung an sich. Sie zeigen, wie man in Zukunft einmal Geld benutzen wird.

Als mich der Entwickler von LazyFox.io auf seine Plattform hingewiesen hat, empfahl er mir, die Badger-Wallet zu benutzen. LazyFox.io ist eine Seite, auf der man Aufgeben stellen und dafür Bitcoin Cash (BCH) ausloben kann. Der Inhalt der Aufgaben ist beliebig: Es kann die Antwort auf eine Frage sein, das Gestalten eines Logos oder das Teilen eines Links auf Twitter. Der Entwickler meinte, man kann die Seite am einfachsten mit der Badger-Wallet bedienen.

Die Badger-Wallet ist ein Plugin für den Browser. Ein Bitcoin-Cash-Entwickler hat sie von Metamask, der beliebten Browser-Wallet für Ethereum, geforkt. Über Metamask habe ich schon öfter geschrieben, es ist eine extrem einfache, aber auch extrem starke Wallet. Sie verfügt über alle Basisfunktionen: Coins empfangen und senden, Nachrichten mit dem privaten Schlüssel signieren und Backups per Seed erstellen oder einspielen.

Dass die Wallet direkt im Browser ist, ermöglicht zwei mächtige Features: Man kann Coins mit einem Klick auf einen Button versenden, und man kann sich mit der Signatur einer Nachricht auf einer Webseite einloggen.

Wenn man nun auf den orangenen Badger-Button klick, wird das Browser-Plugin ein Pop-Up öffnen …

Die Adresse wird damit zum Account, und man kann sich mit zwei Klicks registrieren und einloggen. Kein Passwort, kein Datenabtausch mit Facebook, Google und so weiter, keine Bestätigungsemail und so fort. Das ist exakt die Weise, wie ich mir vorstelle, dass man das Internet in Zukunft bedient: Der Account und der Zahlungsweg ist nicht auf der Webseite, die man besucht, sondern im Browser und damit überall.

Man muss nur auf „unterschreiben“ klicken, um sich zu registrieren oder einzuloggen.

Nachdem ich mich also mit zwei Klicks auf LazyFox.io registriert und eingeloggt habe, schaue ich mich um, was man machen kann. Zunächst sehe ich mögliche Aufgaben, die ich erfüllen könnte, um Geld zu verdienen:

Soll ich einen Link tweeten, ein Logo designen oder einen Comic zeichnen? Eine Liste mit chinesischen Slang-Wörtern schreiben, ein Foto von einem Platz in Caracas, der Hauptstadt Venezuelas, schießen, oder einen Touristenführer in einer italienischen Stadt empfehlen? Das Spektrum möglicher Aufgaben ist riesig. Alles geht, was man digital beweisen kann. Der Titel der Seite sagt es ja schon: Wenn man zu faul ist, etwas selbst zu machen, gibt man es an LazyFox raus.

Da mich die offenen Aufgaben nicht so richtig ansprechen, probiere ich aus, selbst eine Aufgabe abzugeben. Ich frage um Hilfe bei einem Ärgernis mit Ubuntu 18.04 und bitte um Rat, wie ich meine Tomaten- und Paprikapflanzen pflegen soll. Klar könnte ich das Googlen, aber ich habe keine Lust dazu, und vielleicht gibt es jemand, der diese Dinge besser versteht als ich. Warum auch nicht?

Um vorzuführen, wie das ganze abläuft, stelle ich noch eine Aufgabe ein. Weil ich zu faul bin, mir eine Aufgabe auszudenken, delegiere ich das einfach: Ich möchte, dass jemand auf LazyFox drei Fragen zu weißen Nashörnern stellt, und die interessanten Antworten im Internet postet. Als Belohnung setze ich dafür 2 Dollar aus, was für den Aufwand vermutlich etwas zu wenig ist. Aber man kann es ja versuchen. Nachdem ich auf den Zahlungsbutton klicke, öffnet sich die Badger-Wallet, und ich bestätige die Zahlung des ausgelobten Betrages an LazyFox.

Ich liebe diese Art der User-Experience. Flüssiger ist kaum vorstellbar.

Meine vorherigen Fragen zu Ubuntu, Tomaten und Paprika wurden relativ rasch beantwortet. Die Antworten kann ich unter dem Reiter „My Tasks“ ansehen. Sie gehören nur mir. Sie waren nicht schlecht; vermutlich hätte man mit einer Viertelstunde Googlen dasselbe rausgefunden, aber vielleicht hätte es sich auch Stunden hingezogen. Um den Link zur Linux-Frage zu finden, hätte ich mich vermutlich lange durch Foren, Stackexchange-Posts und so weiter wühlen müssen. Daher betrachte ich die paar Kröten, die ich dafür ausgelobt habe, als gute Investition und akzeptiere die Antworten. LazyFox gibt nun die Bitcoin Cash, die ich eingezahlt habe, an den Auftragnehmer frei.

Die Seite ist erst vor kurzem Live gegangen. Daher ist noch keine Perfektion zu erwarten. Aber bisher sieht alles recht gut durchdacht aus: Leute, die die Aufgabe annehmen wollen, melden sich, und man kann sie akzeptieren (oder abwarten, bis sich andere bewerben). Sobald jemand die Aufgabe final angenommen hat, läuft ein Countdown; das können zehn Stunden sein, aber auch Tage oder Wochen.

Man kann, glaube ich, gleichzeitig mehrere Kandidaten beauftragen, aber – soweit ich es verstehe – nur die erste Lösung akzeptieren. Allerdings kann man Lösungen auch ablehnen. In dem Fall kommt ein Mediator ins Spiel, der zufällig ausgewählt wird. Um selbst Mediator zu werden, muss man mehr als 1000 Reputationspunkte sammeln. Diese bekommt man, indem man Aufgaben stellt oder löst.

Insgesamt ist das eine ziemlich nette und nützliche Plattform. Wie sinnvoll sie wirklich wird, wird davon abhängen, ob es gute Aufgabensteller und qualifizierte Erfüller gibt. Ich könnte mir beispielsweise vorstellen, dass ein solches Modell Plattformen wie „Frag-einen-Anwalt“ oder „gutefrage.de“ ablöst, oder dass es gar zur Basis von Expertendialogen wird. In jedem Fall ist es eine perfekte Anlaufstelle für alle, die auf einfache Weise ein wenig Bitcoin Cash verdienen möchten – oder die zu faul sind, um selbst zu googeln.